Paarungszeit

Die Paarungszeit der Präriehunde nennt man „rut“. Diese Bezeichnung kommt aus dem amerikanischen. Dort ist die Heimtierhaltung von Präriehunden entstanden (zum Leidwesen der Tiere).

In der Paarungszeit sind die Männchen meist sehr aggressiv und lassen niemanden in die Nähe der Weibchen. Diese Aggressionen entstehen durch die Hormonveränderung der Tiere. Die Hoden der männlichen Tiere schwellen groß an und sind auch nur in dieser Zeit zu sehen. Ansonsten liegen die Hoden tief in der Bauchhöhle und sind nicht sichtbar.

Hier in unseren klimatischen Verhältnissen beginnt die „rut“ oft schon im Herbst und kann bis zum Frühling andauern. Mitunter dauert diese Phase 6-7 Monate an. Für die Tiere ist diese Zeit mit sehr großem Stress verbunden. Besonders, da sie hier meist in der Innenhaltung leben müssen und so kaum Rückzugsmöglichkeiten haben. Das verläuft in einem Aussengehege wesentlich einfacher. Dort können die Tiere sich besser aus dem Weg gehen und sie haben weiter ihren gewohnten und nötigen Auslauf. Denn in ihrer ursprünglichen Heimat, z.B. die Prärielandschaften in Amerika, können sich Präriehunde in der „rut“ problemlos aus dem Weg gehen und nach der Paarungszeit wieder ein friedliches Leben miteinander führen. Denn in der Zeit ausserhalb der „rut“ leben sie freundschaftlich in großen Kolonien zusammen. Präriehunde sind in ihrer Lebensweise überaus sozial untereinander. Dieses soziale Miteinander bricht nur in der Zeit der Paarung komplett zusammen. Danach läuft alles wieder freundlich und harmonisch zwischen den einzelnen Präriehunde-Familien.

Besonders für die Weibchen ist die „rut“ im Käfig eine schwere Zeit. Da die Männchen es nicht zulassen, daß man an die Weibchen ran kommt. Sie jagen ihre Weibchen sofort ins Nest, sobald sich ein Mensch dem Käfig nähert. Dadurch kann man den Tieren auch für lange Zeit den Freilauf in der Wohnung fast gar nicht gewähren. Die Männchen greifen einen sofort an und lassen es auch nicht zu, daß die Weibchen in unsere Nähe kommen. Darunter leiden die Weibchen natürlich sehr. Es ist dann verdammt schwer zumindest die weiblichen Präriehunde herum laufen zu lassen. Unserer Meinung nach leiden sie gewaltig darunter.

Auch die Käfigreinigung wird in dieser Zeit echt schwierig. Man wird ja sofort gebissen, sobald man den Käfig nur berührt. Aber das Einstreu muß ja nun mal gewechselt werden. Schon aus hygienischen und für die Tiere gesundheitlichen Gründen. Also werden die armen Racker einem noch größeren Stress ausgesetzt, weil der Käfig auf irgendeine Weise sauber gemacht werden muss. Wir wollen jetzt nicht näher darauf eingehen, wie so manche Halter dies dann bewerkstelligen. Auf jeden Fall werden die Präriehunde da von einigen Besitzern durch deren Handeln noch mehr verstört und gestresst. Begründet durch die Angst vor schmerzhaften und schlimmen Bissverletzungen, die ein Präriehund einem ohne weiteres zufügen kann. Für so ein kleines Präriehundeherz ist das schon heftig belastend und höchst ungesund.

Wir haben das ja alles schon miterlebt und können uns deshalb eine Meinung darüber erlauben. Den Kontrast zwischen Innenhaltung und Aussenhaltung haben wir ja gehabt und können beurteilen, welche die durchaus stressfreiere und gesündere Art für die Tiere ist. In der „rut“ sind Präriehunde nur hormongesteuert und erkennen selbst ihren Halter, mit dem sie vorher „geschmust“ haben nicht mehr. Mal ganz ehrlich, ist das nicht der Beweis dafür, daß ein Wildtier nicht zum Haustier geeignet ist. Denn besonders in dieser Zeit ist ihr Verhalten das eines wilden Tieres. Selbst die Nachzuchten, die aus einer Wohnungshaltung entstehen, sind dadurch noch keine Haustiere. Sie tragen die gleichen Erbanlagen in sich, wie ihre aus der Wildnis gefangenen Vorfahren. Auch sie unterliegen ihrer Natur, die Tunnel graben und Höhlen bauen für sie vorgesehen hat. Ihr Körper braucht auch die Sonne, das Tageslicht und die frische Luft.  Und sie erleben auch die hormonellen Veränderungen in der „rut“. Sie sind unserer Meinung nach immer noch Wildtiere. Allerdings arme Wildtiere, die in Gefangenschaft geboren wurden.