Kitty und Nash

- Eine wahre Geschichte -


Hallo Leute. Ich bin Nash. Ein waschechter Präriehund-Mann und wenn Ihr Lust habt meine und Kitty’s  Geschichte zu erfahren, dann werde ich sie Euch gerne erzählen.

 - Übrigens, Kitty ist meine Partnerin –.


Wir Präriehunde sind sehr gesellig und auch wenn der Name es nicht vermuten läßt keine richtigen Hunde, sondern Nagetiere die zur Kategorie Erdhörnchen gehören. Uns hat man den Namen Präriehunde gegeben, weil wir in der Prärie leben und unser Warnruf untereinander sich wie das Bellen eines kleinen Haushundes anhört. Wir sehen aus wie Murmeltiere, sind jedoch etwas kleiner. Ich weiß nicht, ob Ihr Euch etwas unter Prärie vorstellen könnt. Also die Prärie ist eine riesige Graslandschaft. Solche Prärielandschaften gibt es z.B. in Amerika, Mexiko und in Kanada. Dort findet man große Kolonien von uns. Wir leben da mit vielen Präriehunden in unterirdischen Tunnelsystemen. Meistens verstehen wir uns alle recht gut, nur manchmal gibt es halt auch mal Streitereien. So etwas kommt ja überall mal vor. Im Grunde jedoch leben wir friedlich und glücklich miteinander.

Nun zu unserer Geschichte. Die fängt allerdings ziemlich traurig an. Zum Glück hat sie aber doch noch ein schönes gutes Ende genommen.

Alles fing damit an, daß wir als kleine Präriehund-Babies brutal aus unserer Heimat Texas verschleppt wurden. Wie gesagt, eigentlich leben wir dort in langen unterirdischen Tunneln, in denen wir auch unsere Winterruhe halten. Im Sommer laufen wir tagsüber natürlich draußen herum, fressen Gras und spielen mit den anderen Nachbar-Präriehunden. Ja, eigentlich, wenn da nicht die Menschen wären, die der Meinung sind, wir wären lustige Haustiere. Aber wir sind in Wirklichkeit Wildtiere. So hat es die Natur eingerichtet. Wir gehören nicht in einen Käfig der in den Wohnungen der Menschen steht. Und glaubt mir, glücklich sind wir in dieser Umgebung ganz sicher nicht. Es ist eher eine Qual.


Wir wurden also von unseren Eltern getrennt und mit vielen anderen Präriehund-Babies in Kisten nach Deutschland verschifft. Dort fanden wir uns – nach einem langen Transportweg –  in einem Zoogeschäft wieder. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, welche Angst wir hatten. Plötzlich saßen Kitty und ich in einem Plexiglaskäfig und wußten gar nicht wie uns geschah. Kitty und ich haben uns eigentlich dort erst richtig kennengelernt. Von all den anderen Präriehunden war ansonsten keiner mehr zu sehen. Wir wußten nicht wo sie waren und was mit ihnen passiert ist. Es war schrecklich. Denn Ihr müßt wissen, Präriehund-Kinder bleiben 2 Jahre bei Ihren Eltern bevor sie richtig erwachsen sind und eine eigene Familie gründen. Wir allerdings waren gerade mal einige Wochen alt. Ein Glück war, daß wir wenigsten zu zweit waren. Immerhin konnten wir uns dann gegenseitig ein bißchen trösten. Wir haben uns eng aneinander gekuschelt und versucht uns mit dieser traurigen Situation abzufinden. Wir waren entsetzlich traurig. Na zumindest hat man uns dort etwas zu Fressen und Trinken gegeben.


Ein paar Tage später hat ein Mann uns mit zu sich nach Hause genommen. Wir wurden wohl von ihm beim Zooladenbesitzer extra bestellt . Bei ihm Zuhause angekommen setzte er uns in einen noch kleineren Käfig mit Gitterstäben. Der Käfig war mit Heu ausgelegt und Futter und Wasser hatten wir auch. Aber wir sind Präriehunde. Die brauchen, um glücklich zu sein, Erde in der sie buddeln und Höhlen bauen können. Kitty und ich haben dann erst mal ein paar Tage abgewartet was so passiert. Alles war ja so fremd und beängstigend.

Ab und zu hat der Mann uns auch mal raus gelassen. Das war dann natürlich schon schöner als im Käfig. Seltsam war nur, da gab es nirgendwo Erde oder Gras ja und wieder keinen freien Himmel. Eine Wohnung, so etwas hatten wir noch nie gesehen. Das jedoch war  natürlich Grund genug für uns dies alles zu erkunden. Ihr müßt wissen, wir Präriehunde sind nämlich ziemlich neugierig. Die Neugier ist dann manchmal auch sogar stärker als die Angst. Na ja, aber gefallen hat uns diese Umgebung nun wirklich nicht. Jedoch, was sollten wir machen, weg konnten wir ja nicht. Das Einzige, was wir tun konnten war, das Beste aus der Situation zu machen. Natürlich haben wir auch nach einem Fluchtweg gesucht. Aber Fehlanzeige. Nirgends war ein Weg nach draußen.  Wir haben dann alles was da rumstand beschnüffelt und mal abgeknabbert.

Das machen wir nicht, um etwas kaputt zu machen. Nein, Präriehunde gehören wie gesagt zu der Gattung Nagetier. Und sicher wißt Ihr alle, daß die Zähne der Nagetiere immer weiter wachsen. Aus diesem Grund müssen wir unsere Zähne dauernd abwetzen. Würden wir das nicht tun, könnten wir irgendwann unser kleines Maul nicht mehr auf oder zu machen. Die Zähne würden wachsen und wachsen bis sie sich durch unsere Unter- oder Oberlippen bohren würden. Es ist also wirklich nicht so, daß wir das böswillig tun, nein es ist wirklich nötig. Tja, unser Besitzer hat das wohl falsch aufgefaßt und war darüber sehr verärgert. Mit der Zeit waren wir im dann auch noch zu laut (das Knabbern an den Gitterstäben störte) und er war sauer über die angenagten Sachen. Nun auf diesen Streß hatte er keinen Bock. Also was tat er ? Er brachte uns einfach zurück in dieses Zoogeschäft. Jetzt saßen wir also wieder in diesem Plexiglaskäfig.

In dem Geschäft war es furchtbar. Dauernd kamen irgendwelche Leute, die auf uns herunter gesehen haben und laut redeten. Am schlimmsten waren manche Kinder der Kunden. Von denen wurden wir geärgert und manchmal auch vor die Nase getreten. Das konnten wir gar nicht verstehen. Warum haben die so etwas gemacht ?  Wir hatten doch gar nichts böses getan und wehren konnten wir uns auch nicht dagegen. Da waren uns dann doch die Leute lieber, die vor unserem Käfig standen und uns begafften und irgendwelches Zeug erzählten. Obwohl das mit der Zeit auch ziemlich nervend war. Glaubt mir, es ist nicht gerade toll immer beobachtet oder gestört zu werden. Es gab ja auch nichts wo wir uns verstecken konnten. Keine Erdhöhlen nicht mal ein kleines Holzhäuschen, nein überhaupt nichts.

Nach einigen Wochen wurden wir erneut von einem Mann gekauft. Und ehe wir uns versahen, saßen wir wieder in einer Wohnung in einem ziemlich kleinen Käfig. Aber was soll ich Euch sagen, auch dem waren wir nach einiger Zeit zu stressig und zu laut. Er hatte einfach keine Lust sich mit uns zu befassen und brachte uns kurzerhand zurück in den Zooladen. Da saßen wir also wieder in dem Plexiglaskäfig und waren völlig verstört. Sollte das jetzt unser Leben sein? Ein paar Wochen im Zoogeschäft und dann wieder ein paar Wochen bei irgendeinem Menschen in der Wohnung, bis der uns wieder zurückbrachte ?

Kitty war völlig durcheinander und wollte nie mehr mit einem Menschen spielen oder sich von ihm auf den Arm nehmen lassen. Natürlich – wie es sich für einen richtigen Mann gehört – habe ich sie getröstet und ihr versprochen immer auf sie aufzu-passen. Wir haben uns dann jedesmal noch enger aneinander gekuschelt, um dieses trostlose Leben zu ertragen.

Aber dann nach einigen Wochen kam ein Ehepaar in unseren Zooladen. Sie standen vor unserem Käfig und sahen uns ein bißchen beim Fressen zu. Wir haben versucht gar nicht darauf zu achten. Nach ein paar Minuten gingen Beide auch wieder und wir versuchten weiter das Loch in der Plexiglasscheibe unseres Käfigs größer zu beißen. Vielleicht konnten wir ja doch noch fliehen. Zu unserem Elend kamen aber wieder mal ein paar Kinder und fanden es ganz toll vor unsere Nasen zu treten, die durch das kleine Loch schon durch paßten. Das fanden die irre lustig und hatten Spaß daran uns zu ärgern. Was Kitty und ich allerdings nicht bemerkten war, daß die Frau, die vorher mit ihrem Mann vor unserem Käfig stand, plötzlich auch da war. Ich kann Euch sagen, die Frau war klasse. Als sie sah, was die Kinder mit uns machten, hat sie ordentlich mit denen geschimpft und alle verjagt. Aber das war noch nicht alles, daraufhin rief sie den Verkäufer zu uns und hat dem auch noch mal gehörig die Meinung gesagt. Er solle gefälligst aufpassen, was mit den Tieren in seinem Geschäft passiert, für deren Befinden hätte er schließlich eine Verantwortung zu tragen. Kitty und ich waren völlig baff. So etwas hatten wir noch nie erlebt. Es gab doch noch Menschen, die sich um Tiere sorgten und sich nett darum kümmerten. Jetzt waren Kitty und ich schon neugierig und wir schauten beide nach oben um uns diese Frau einmal genau anzusehen. Sie schaute mitfühlend und liebevoll auf uns herunter und sprach ein paar beruhigende Worte zu uns. Wir sahen ihr genau an, daß sie es gut mit uns meinte. Ich war fest davon überzeugt, daß sie uns verliebt angeschaut hat und uns am liebsten gestreichelt hätte. Allerdings hat sie uns nicht angefaßt, wahrscheinlich um uns nicht noch mehr zu erschrecken. Aber bei ihr hätten Kitty und ich nichts dagegen gehabt. Als sie mit ihrem Mann das Geschäft verließ, waren Kitty und ich eigentlich etwas traurig. Nachts als Kitty und ich uns dann zum Schlafen zusammenkuschelten, haben wir noch oft von diesem Ehepaar und besonders von der beherzten Frau gesprochen. Selbst meine kleine Kitty war der Meinung, daß dies nette Menschen waren.

In vielen Nächten mußte ich Kitty trösten, weil sie sich nach der Freiheit sehnte. Nach Sonne, Wind, Erde und frischem Gras. Ja, und vor allen Dingen nach ihrer Präriehund-Familie. Mir ging es ja genauso wie ihr, aber ich als Kitty’s Beschützer durfte mir das natürlich nicht anmerken lassen. Ich mußte stark sein, für Kitty. Obwohl, eigentlich war ich ja auch noch ein kleiner Präriehund im Alter von ungefähr 9 Monaten. Wenn Kitty dann endlich eingeschlafen war, hab ich oft noch wach gelegen und sogar manchmal leise geweint. Ich sehnte mich nach meinen Eltern und der großen Prärie in der man lange Tunnel graben und frisches Gras fressen konnte und vor allem mit vielen anderen Präriehunden umhertollen konnte. Wir würden wohl nie wieder so ein Leben unter freiem Himmel führen. Das Leben war schon manchmal grausam. Irgendwann bin ich dann mit diesen traurigen Gedanken und Sehnsüchten endlich eingeschlafen.

Nachdem ein paar Tage vergangen waren und wir öfter an das nette Ehepaar dachten, standen die Beiden plötzlich wieder vor unserem Käfig. Diesmal traute sich die Frau auch uns zu streicheln. Ihr Streicheln hat uns gefallen und wir haben ganz still gehalten. Ja und dann packte uns der Verkäufer wieder mal in einen Karton. Uns war nicht klar, was das jetzt zu bedeuten hatte. Wo kamen wir jetzt wohl wieder hin ? Ging das alles wieder von vorne los ?

Zu unserem großen Erstaunen und großer Freude stellten wir, als wir aus dem Karton gelassen wurden, fest, daß das nette Ehepaar uns mit zu sich nach Hause geholt hatte. Sie hatten uns tatsächlich gekauft. Einen Käfig, Heu, Futter und alles was wir brauchten hatten sie auch besorgt. Gut der Käfig war leider auch ziemlich klein, aber dafür waren die Beiden sehr behutsam mit uns.

Die erste Zeit haben sie uns in ihrer Wohnung rumlaufen lassen und uns ziemlich in Ruhe gelassen. Wir durften alles erkunden ohne, daß sie dauernd an uns herumgefummelt haben. Mit der Zeit sind Kitty und ich von ganz alleine zu den Beiden gelaufen und auf ihnen herumgekrabbelt. Kitty hatte allerdings mehr Anlaufschwierigkeiten als ich. Sie wollte die Menschen nicht so sehr an sich heran lassen. Zum Glück hat auch niemand sie dazu gezwungen. Sie haben Kitty in Ruhe gelassen um ihr Zeit zu geben sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Ich war da schon etwas offener und mutiger. Schließlich bin ich Nash, der mutigste Präriehund der Welt. Zu der Frau hab ich eigentlich ziemlich schnell Vertrauen gefaßt.

Es dauerte auch nicht lange, da wurde dem Ehepaar klar, daß unser Käfig viel zu klein war. (Später haben wir herausbekommen, daß ihre Namen Conny und Uwe waren.) Also kauften sie uns am nächsten Tag einen größeren Käfig. Uwe hat dann aus beiden Käfigen einen noch größeren gebaut. Das war wirklich toll von ihm. Er war handwerklich sehr begabt und hat sich viel Mühe gemacht unser neues Heim schön zu gestalten. Sogar eine Höhle aus Holz hat er uns gebaut. Darin konnte man supertoll schlafen. Von Conny haben wir dann auch noch ein paar alte T-Shirt’s und weiche Handtücher bekommen. Daraus hat Kitty uns ein kuschliges Nest gebaut. Natürlich in der tollen Höhle aus Holz. Lange hatten wir nicht mehr so gut geschlafen. Endlich kamen wir etwas zur Ruhe und konnten uns auch mal unbeobachtet verkriechen.

Hab ich Euch schon erzählt, daß Conny und Uwe mit zwei großen Haushunden leben ? Die waren wohl sehr erstaunt über solche Tiere wie wir. Ich glaub, Präriehunde hatten die noch nie gesehen. Das konnten wir sofort merken. Hochinteressiert schnüffelten sie um unseren Käfig herum. Ich glaube für die war das fast noch aufregender als für uns. Nach ein paar Wochen Beschnüffeln durch die Käfigstäbe haben wir uns tatsächlich gut mit denen vertragen. Besonders Kitty war von den beiden Hunden sehr angetan. Mit denen hat sie sogar viel gespielt. Der kleinere von den beiden Hunden hat meine Kitty dauernd abgeleckt und der größere Hund wollte Kitty immer tragen als wäre sie ein Hundebaby. Es schien so, als würde es der Kitty gut gefallen. Zu den beiden hatte Kitty schnell Vertrauen gefaßt und so langsam ging es ihr dann stimmungsmäßig auch ein wenig besser. Gut, das war nicht die Prärie mit Sonne, Wind und Gras, aber wir wurden gut behandelt. Conny und Uwe kamen jeden Tag mit etwas Neuem für uns an. Papprollen zum Anknabbern, Sand zum Buddeln im Käfig, Bambusrollen durch die man durchlaufen und sich verstecken konnte, Steine um die Krallen zu wetzen und jede Menge Leckereien. Sie haben sich wirklich alle Mühe gegeben es uns schön zu machen.

Wenn wir aus dem Käfig gelassen wurden, durften wir auch sehr viel anstellen, nur selten hat einer mit uns geschimpft. Sogar die Gardinen im Schlafzimmer durfte ich anknabbern. Nun muß ich auch dazu sagen, die waren viel zu lang und dann die Farbe – lila -  schrecklich. Also die waren wirklich nicht besonders schön. Da mußte ich etwas dran ändern. Mit Hilfe von Kitty hab ich die Gardinen dann erst einmal auf eine vernünftige Länge gebracht. Wie Ihr sehen könnt.



Leider war es mir nicht möglich die Farbe zu ändern. Aber zumindest war die Länge jetzt perfekt.

Kitty hingegen fand den Teppich im Schlafzimmer gräßlich. Der hatte aber auch ein potthäßliches Muster. Sie hat sich alle Mühe gegeben den auseinander zu nehmen. Fleißig wie sie nun mal ist, hat sie nach und nach die Fasern rausgerupft. Unser Glück ist, daß wir auch ziemlich lange spitze Krallen haben. Da schafft man so was echt gut. Also wißt Ihr, Menschen haben einen komischen Geschmack was die Gestaltung ihrer Wohnumgebung betrifft. Wir haben versucht Conny und Uwe klar zu machen, daß manche Dinge besser umdekoriert werden sollten. Irgendwie haben die aber nicht so richtig verstanden was wir meinten. Na ja egal. Wir haben es zumindest versucht.

Mit der Zeit merkte ich, daß Conny an mir besonders hing. Sie hat mir oft gesagt wie lieb sie mich hat und das hab ich wirklich genau gespürt. Mit mir hat sie sich wesentlich mehr befaßt, als mit allen anderen. Darauf war ich mächtig stolz. Na ja, bei meinem Charme war das ja auch kein Wunder. Manchmal bin ich, wenn sie im Bett lag, sogar zu ihr unter die Decke gekrabbelt, hab mich an sie gekuschelt und wir haben beide ein paar Stunden geschlafen. Das gab mir ein wenig das Gefühl als wäre ich in einer Erdhöhle in der Prärie mit meiner Präriehund-Familie, die ich ja leider nicht mehr hatte. Kitty konnte ich dazu nie überreden. Sie war lieber bei den großen Hunden. Mit denen fand sie es ganz toll. Immer rannte sie hinter denen her und wollte mit ihnen schmusen. Wahrscheinlich wurde sie durch die Hunde an ihre eigene Präriehund-Familie erinnert.

Diesmal schienen wir mit unseren Mensch endlich Glück zu haben. Es waren schon ein paar Monate vergangen und wir waren immer noch hier und nicht wieder in diesem schrecklichen Zoogeschäft gelandet. Wir wurden dann auch immer mutiger.

Einmal war ich allerdings zu mutig. Ich wollte vom Sofa auf den Sessel springen. Na ja, Präriehunde können eigentlich nicht besonders gut springen oder klettern. In unserer Heimat gibt es kaum etwas auf das man klettern oder von dem man springen könnte. Aber ich wollte es halt mal versuchen. Blöde Idee. Ich bin natürlich mitten im Sprung abgestürzt. Zu allem Unglück bin ich genau auf mein Gesicht gefallen. Dabei hab ich mir meine zwei oberen Nagezähne nach hinten gehauen. Das war unangenehm, das kann ich Euch sagen. Conny ist sofort entsetzt aufgesprungen, hat mich aufgehoben und liebevoll an sich gedrückt. Ich war froh in ihrem Arm zu liegen, weil das doch mächtig weh getan hat. Anfangs hat sie gar nicht gemerkt, was mit meinen Zähnen passiert ist. Nachdem ihr aber aufgefallen war, daß ich nicht mehr fressen konnte und immer mit meinen kleinen Pfötchen an meinen Maul gefaßt habe, ist sie mit mir zum Tierarzt gefahren. Der hat mir die zwei oberen Nagezähne rausgezogen. Keine Sorge, das ist nicht weiter schlimm, denn die wachsen ja, wie Ihr wißt, immer wieder nach. Nur mit dem Fressen hatte ich dann schon einige Probleme. Ich konnte die erste Zeit ja nicht mehr richtig kauen. Conny war aber so was von besorgt um mich, sie hat versucht mich mit allem Möglichen zu füttern. Babybrei, Honig und ganz kleine Körner. Tagelang hat sie mich vorsichtig gefüttert und betüdelt. Und ich mich muß zugeben das hat mir gefallen. Mittlerweile war ich zum Mittelpunkt ihres Leben geworden. Jede freie Minute hat Conny uns aus dem Käfig geholt und versucht es uns so schön wie möglich zu machen. Dafür waren wir ihr sehr dankbar. Auch Uwe hat sich oft mit uns beschäftigt – zwar nicht soviel wie Conny – aber dafür hat er sich viel einfallen lassen womit er unseren Käfig verschönern und verbessern konnte. Er hatte wirklich gute Ideen und das Talent einfach alles zu bauen.

Aber trotz allem, das war nicht unsere Art zu leben. Manchmal sehnten Kitty und ich uns doch sehr nach der Freiheit. Die Natur hat uns dazu geschaffen in Freiheit Tunnel zu bauen und neue Familien zu gründen. Na eben um die Prärie zu besiedeln. Wir wollten immer weniger in unserem Käfig bleiben und haben stundenlang an den Gitterstäben geknabbert. Kitty hatte vom vielen Knabbern an den Gitterstäben nach einiger Zeit schon ihr Fell über der kleinen Nase völlig abgeschabt. Die Stelle war mittlerweile total blank und es war durchaus zu befürchten, daß sie bald die Haut offen aufgeschürft bekam.

Wir hatten mittlerweile herausbekommen, daß Conny uns jedesmal, wenn wir so beharrlich an den Stäben knabberten, aus dem Käfig ließ, um uns in der Wohnung herum rennen zu lassen. Ja und weil ich gemerkt habe wie lieb Conny und Uwe uns hatten, hab ich versucht ihnen klar zu machen, wie unglücklich wir uns in einer Wohnung im Käfig gefühlt haben. Am Besten hat gewirkt, wenn ich an den Gitterstäben stand und

Conny die ganze Zeit mit meinem traurigen Blick fixiert habe.

Mit der Zeit ist mir aufgefallen, daß Conny immer öfter mit Uwe oder Freunden darüber gesprochen hat, was für eine Tierquälerei es ist uns im Käfig einzusperren. Sie redete von all den Dingen die uns fehlten und war traurig darüber uns dies nicht ermöglichen zu können. Vielleicht hat sie ja auch bemerkt, wie oft ich am Fenster saß und sehnsüchtig nach draußen geschaut habe. Ich konnte die Bäume sehen, die Wiese, den Himmel mit Wolken und Sonne. Wie gerne wären Kitty und ich dort herumgesprungen. Wie gerne hätten wir in dieser Erde unsere Tunnel gebaut und das frische Gras gefressen. Der Gedanke daran, wie schön es sein mußte in der Sonne zu sitzen und uns den Wind um die Nase wehen zu lassen, machte uns immer wieder traurig. Wir waren dazu verdammt in einem viel zu kleinen Käfig ohne Sonnenlicht und frische Luft unser Dasein zu fristen.

Je mehr unserer Zweibeinerin Conny klar wurde was wir vermissen, um so trauriger wirkte sie manchmal. Oft ging sie in den Garten pflückte uns frisches Gras und Löwenzahnblätter. Darüber haben wir uns natürlich heißhungrig her gemacht, das erinnerte uns an unser eigentliches Zuhause. Es schmeckte tausendmal besser als all die Körner und das trockene Heu. Noch schöner wäre es gewesen, wenn wir da draußen das Gras selber hätten suchen können. Leider war das nicht möglich, weil Uwe’s und Conny‘s Nachbarn wahrscheinlich mächtig sauer gewesen wären, wenn wir deren Garten erkundet hätten.

Conny versuchte alles Mögliche, um uns zu beschäftigen und von dem traurigen Leben abzulenken. Sie packte alte Bettwäsche und Handtücher in einen großen Wäschekorb und wir durften darin herumwuseln. Das erinnerte uns ein klein wenig daran wie es war zu buddeln. Aber die Erde und den Sand konnte es nicht so richtig ersetzen. Eine Höhle zu bauen, war damit einfach nicht möglich.

Uwe und Conny legten sogar ein Brett vom Bett zur Fensterbank, damit wir alleine zum Fenster laufen konnten um nach draußen zu gucken. Manchmal brachten sie große dicke Papprollen mit und legten sie in der Wohnung auf den Boden. Durch die konnten wir durchlaufen und so lange dran rumknabbern bis fast nichts mehr davon übrig war. Das hat uns richtigen Spaß gemacht. Kitty hat die abgeknabberten Pappschnipsel immer hinter Conny’s und Uwe’s Bett geschleppt und versucht uns ein Nest zu bauen. Sogar in einen Teil des Kleiderschrankes durften wir. Am besten fanden wir den Webpelzmantel von Conny der dort hing. Darin bin ich immer rumgeklettert bis er runterfiel. Conny hat ihn natürlich jedesmal wieder aufgehängt. Aber Kitty und ich, wir fanden den so kuschelig und gemütlich, daß ich immer solange daran herumgerissen hab, bis er wieder auf den Boden gefallen ist. Dann haben wir uns da rein gekuschelt. Irgendwann hatte Conny  wohl endlich kapiert, daß wir diesen Mantel für uns beschlagnahmt hatten. Sie hat ihn liegen lassen und uns geschenkt.

Kitty und ich rechneten Conny und Uwe alle diese Bemühungen sehr hoch an. Nur am Bett und an den guten Klamotten von den Beiden, da durften wir nicht knabbern. Also da wurden Beide dann ein klein wenig sauer. Sie nahmen uns dann immer da weg und schimpften. Okay, mir war das egal ich hab‘s dann halt nicht mehr so oft gemacht  aber Kitty konnte es meist nicht lassen. Darüber waren Uwe und Conny dann schon etwas knatschig. Deshalb mußte Kitty manchmal eher in den Käfig zurück als ich. Ja, ja Frauen, die haben schon ihren Dickkopf. Und Kitty, ja die sowieso.

Manchmal konnte sie einen ganz schön nerven. Besonders, wenn sie dauernd küssen und schmusen wollte. Das ist ja ganz nett, aber ich wollte oft lieber auf Erkundung gehen oder aus dem Fenster schauen. Zwischendurch kam sie immer wieder angerannt und wollte mit mir schmusen und mich küssen. Damit ich meine Ruhe kriegte, hab ich ihr halt mal einen Kuß gegeben. Dann war sie zufrieden und wuselte wieder im Bett von Conny und Uwe rum. Verzweifelt versuchte sie darin eine Höhle zu bauen. Aber so etwas geht eben nur mit richtiger Erde. Sie konnte einem schon richtig leid tun, wie sie immer und immer wieder versuchte zu graben und Erdwälle zu befestigen.


Meine arme kleine Kitty. Mir ging es ja nicht anders, auch ich sehnte mich nach einem normalen Präriehund-Leben. Tja, das waren Momente in denen ich mich völlig elend und hilflos fühlte.


Ein paar mal kamen 2 Kinder zu Besuch, sie hießen Patrick und Justine. Das waren die Kinder von Conny’s Schwester. Für die waren wir natürlich echt interessant. Klar wir sehen ja auch süß und putzig aus. Nur über eins müßt ihr Euch im Klaren sein. Wir sind kein Spielzeug und auch keine Haustiere. Wie ich schon am Anfang erwähnt habe, sind wir wilde Tiere. Uns macht es überhaupt keinen Spaß auf den Arm herumgetragen zu werden oder von Kindern hin und her gescheucht zu werden. Da könnte es durchaus einmal passieren, daß wir beißen. Nicht weil wir bösartig sind. Nein, weil wir Angst bekommen und es ist nun mal so, wenn Tiere Angst kriegen, dann beißen sie vor lauter Schreck um sich. Eigentlich sind wir genauso wild lebende Tiere wie Löwen oder Elefanten nur kleiner und niedlicher. Aber einen Löwen würdet Ihr ja auch nicht in der Wohnung halten und auf den Arm nehmen wollen. Die haben Glück, daß sie durch ihre Größe gefährlicher sind und kein Mensch das Risiko eingehen will von ihnen verletzt oder gar getötet zu werden. Wir allerdings sind durch unsere Größe nicht in der Lage uns dagegen zu wehren. Mit uns kann man alles machen, ohne darüber nachzudenken, ob wir darunter leiden könnten. Wir müssen uns dann in unser trauriges Schicksal fügen.

Viel öfter jedoch war Klaus der Freund meiner Besitzer zu Besuch, den kannten wir mittlerweile schon recht gut. Ich muß gestehen einmal hab ich ihn sogar gebissen. Da hatte ich wohl einen schlechten Tag und war auch ein wenig eifersüchtig wegen Conny und Kitty. Schließlich war ich bei den Mädels der Mann im Haus. Präriehunde haben in der Wildnis nämlich immer mehrere Frauen mit denen sie zusammen leben. Da darf auch kein anderer Präriehund-Mann die Mädels anbaggern. Hinterher hab ich mich ein wenig dafür geschämt und es tat mir schon leid. Ich dachte, au weija, jetzt bringen die uns zurück ins Zoogeschäft. Zum Glück ist das nicht passiert. So richtig böse war mir keiner. Ich kann Euch sagen, mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Bei dem Gedanken wieder in diesem schrecklichen Geschäft zu sitzen, ist mir ganz elend geworden. Doch Conny und Uwe hatten uns glücklicherweise schon zu lieb gewonnen.

Ich glaube die Conny hatte ich schon gut im Griff. Bei Uwe mußte ich noch ein wenig dran arbeiten. Aber, klar er war ja auch ein männliches Wesen. (Ehrlich gesagt, aber lange nicht so niedlich wie ich.)

Bei Frauen hat man es, wenn man so ein niedlicher Racker ist wie ich einer bin, eben einfacher.

Einmal hab ich mir eine von meinen Krallen bei der Wohnungserkundung raus-gerissen. Aber hallo, ich sag Euch das hat verdammt weh getan und mächtig geblutet. Conny hat mich auf den Arm genommen und nachdem sie das ganze Blut gesehen hat, war sie völlig fertig mit den Nerven. Sie drückte mich fest an sich und weinte vor Angst um mich. Zuerst wußte sie nicht woher das Blut kam. Nachdem sie mich genau untersucht hatte bemerkte sie woran es lag. Ich hab ganz still gehalten, denn ich war froh, daß sie sich um mich gekümmert hat. In diesem Moment wurde Conny klar, daß eine Wohnung für Präriehunde echt gefährlich sein kann.

Jetzt hörte ich immer öfter, wenn sie sich mit ihren Freunden oder ihrem Mann Uwe unterhielt, daß sie dafür sorgen wollte uns ein präriehundgerechtes Leben zu ermöglichen. Was sie damit meinte wußte ich nicht so genau. Aber das sollten Kitty und ich bald erfahren. Abends hab ich dann oft gesehen, daß sie an ihrem Computer saß und sich Informationen über Präriehunde im Internet holte. Je mehr sie über unser Leben in der Prärie las, um so mehr kamen ihr Zweifel Tiere wie wir es sind in Käfigen zu halten. Ich hörte sie immer öfter über die Menschen schimpfen, die uns aus unserem Leben in Texas gerissen hatten um uns in Käfige zu sperren. Nie wären Uwe und Conny auf die Idee gekommen uns oder andere Präriehunde aus unserer Welt zu reißen, nur um etwas besonderes und exotisches zu Hause zu haben. Bei den Beiden war es aufrichtiges Mitleid als sie uns in diesem Zoogeschäft gesehen hatten. Der Gedanke, daß wir dort schlecht behandelt wurden und nur immer in dem kleinen Plexiglaskäfig saßen, hat ihnen keine Ruhe gelassen. Sie wollten uns helfen. Das haben sie ja auch getan. Später wurde uns klar, daß sie uns noch wesentlich mehr helfen würden.

Conny saß nächtelang am Computer um sich mit sämtlichen Zoo’s in Deutschland in Verbindung zu setzen. Sie wollte wissen, ob sie uns in ihrem Garten ein Aussengehege bauen konnte, oder ob ein Zoo die Möglichkeit hatte uns in ihren großen Freigehegen ein schöneres Leben zu bieten. Danach wirkte sie immer sehr traurig. Eines samstags fuhren Conny und Uwe mit ihrem besten Freund – ihr erinnert Euch, ja genau der, den ich mal gebissen hatte – in einen Zoo in ihrer Nähe. (Zum Glück mochte er mich trotzdem noch.) Dort wollten sie sich Ratschläge für unsere artgerechte Haltung holen. Sie haben sich lange mit den dortigen Tierpflegern unterhalten. In dem Aussengehege der Präriehunde saß, ganz alleine, eine mollige Präriehund-Dame. Ihr Partner war gestorben. Arme Conny und armer Uwe, jetzt machten sie sich auch noch große Sorgen um diese einsame Präriehund-Lady. Denn sie wußten, daß Präriehunde ein einsames Leben nicht aushalten. Nach einiger Zeit gehen sie langsam ein an dieser Einsamkeit. Das ist leider traurige Tatsache. Wir brauchen Gesellschaft unseresgleichen.

Also schrieb Conny eine e-mail an den Zoodirektor.  Sie fragte nach, ob er Interesse hätte Kitty und Nash aufzunehmen. Oder falls er keine Präriehunde mehr halten wolle, ob sie die einsame Präriehunddame bekommen könnte. Sie hatte vor ein Aussengehege in ihrem Garten zu bauen, das zwar auch nicht groß genug für uns wäre, aber immerhin im Freien.

Gleich am nächsten Tag klingelte das Telefon. Der Zoodirektor persönlich war am Apparat. Er erzählte die e-mail  wäre eine glückliche Fügung, da er vor hatte sich bei anderen Zoo’s neue Präriehunde zu beschaffen. Das wäre dann ja wohl nicht mehr nötig. Dann ging alles ziemlich schnell. Conny vereinbarte mit ihm einen Termin, um uns in dessen Obhut zu geben.

Nach diesem Telefonat saß sie auf ihrer Couch und weinte erst mal. Sie liebte uns ja sehr und hing mit ganzem Herzen an uns. Ich glaube – ohne mir zuviel einbilden zu wollen – an mir ganz besonders. Na ja, ich bin ja auch ein schmuckes Kerlchen. Conny nannte mich oft liebevoll ihren kleinen Kobold.

Sie kam zu Kitty und mir an den Käfig mit verweinten Augen, nahm uns auf den Arm und sagte etwas von, bald geht es euch richtig gut und ich werde euch vermissen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir noch nicht verstanden was sie damit meinte.

Zwei Tage später steckte sie uns in einen großen Transportkorb der mit Heu ausgelegt war. Vor Schreck blieb uns fast das Herz stehen, würde sie uns jetzt etwa auch wieder in den Horror-Zooladen zurück bringen. Wir waren vollkommen verstört und hatten wahnsinnige Angst. Bitte, nur das nicht.

Als sie, nach kurzer Autofahrt, den Korb aufmachte stand der in einem großen Holzhäuschen mit einer kleinen Tür. Allerdings war ein Gitter vor der Tür. Hinter uns war eine große Holztür in der standen Conny, Uwe, deren Freund Klaus und ein Mann, den ich noch nie gesehen hatte. Was hatte das alles zu bedeuten ? Unsere Angst kroch uns durch Mark und Bein.

Gut als heldenhafter Präriehund-Kerl bin ich natürlich sofort zum Gitter an der Tür, um zu sehen was da war. Kitty blieb wie gelähmt mitten in diesem Bretterhäuschen sitzen. Sie schaute mit ängstlichen, weit aufgerissenen Augen zu Conny, Uwe, Klaus und dem fremden Mann. Conny stand ebenfalls wie gelähmt in der großen Tür, ihr liefen Tränen übers Gesicht. Man sah ihr an, daß sie sehr traurig war. Auch Uwe sah verdammt traurig aus, nur Männer – das weiß ich ja von mir – zeigen nicht gerne ihre Gefühle offen vor anderen Leuten. Aber warum hatten sie uns dann hierher gebracht?  Was hatten wir angestellt, wieso gingen sie weg und ließen uns hier alleine ?  Heute wissen Kitty und ich warum. Dafür werden wir dem netten Ehepaar auch immer dankbar sein. Aber erst muß ich Euch ja noch erzählen was das alles zu bedeuten hatte.

Nach einiger Zeit war uns klar, wir waren in einem Zoo. Am selben Tag wurden wir dann vom Zoodirektor begutachtet und untersucht. Zuerst waren wir doch ein wenig beunruhigt, aber dann merkten wir, daß der Zoodirektor echt ein netter Mann war, vor dem wir keine Angst zu haben brauchten.

Die erste Nacht in diesem dunklen Holzhaus ohne die Stimmen von Conny und Uwe und ohne Streicheleinheiten war beängstigend. Kitty und ich waren am Boden zerstört. Wir konnten gar nicht einschlafen vor lauter Angst was hier mit uns passieren würde. Sieben Monate hatten wir bei Conny und Uwe gelebt und nie gedacht, daß wir nicht für immer dort bleiben würden. Zumal Conny uns doch immer wieder gesagt hat, wie lieb sie uns hat. 


Am nächsten Tag, als es hell wurde, sah ich durch die Gittertür einen anderen Präriehund. Ich merkte sofort es war ein weiblicher Präriehund. Das wiederum fand ich nicht schlecht. Gut sie war schon reichlich pummelig, nicht so schlank wie meine Kitty. Aber trotzdem, sie gefiel mir auch. Nur, wie sollte ich dahin kommen ? Immer wieder diese blöden Gitter in meinem Leben. Kitty hatte sich von ihrem ersten Schock auch ein wenig erholt, war aber immer noch sehr verstört. Zuerst weigerte sie sich durch die Gittertür zu gucken. Nach einiger Überredungskunst meinerseits machte sie es dann schließlich doch. Das was sie da sah gefiel ihr genauso gut wie mir.

Ab und zu unterhielten wir uns durch die Gitter mit dem anderen Präriehund-Weibchen. Übrigens ihr Name ist Crosby. Sie erzählte uns, daß wir in einem Zoo wären und die Tierpfleger, die sich hier um uns kümmern würden, sehr nett seien.

Insgesamt 4 Tage und Nächte saßen wir voller Ungewißheit in diesem Holzverschlag. Aber dann kam unser großer Tag. Der Tag, der unser ganzes Leben verändern sollte. Die Gittertür ging auf. Wir konnten raus. Raus an die frische Luft. Zum ersten mal seit wir als Baby eingefangen wurden, sahen wir wieder den freien Himmel, konnte Erde riechen und darin graben. Kitty war außer sich vor Aufregung. Ich konnte sie kaum beruhigen. Als Erstes fing sie wie wild an zu buddeln und verschwand immer wieder in den schon vorhanden Tunnelbauten.


Jetzt konnten wir eine Familie gründen. Wir konnten Nachwuchs bekommen. Dafür waren jetzt alle Voraussetzungen gegeben. Endlich hatte ich 2 richtige Präriehund-Frauen. Damit konnte ich schon mehr anfangen, als mit einer Menschenfrau und nur einer Präriehund-Frau.

Mir war schon klar, daß jetzt noch ein gutes Stück Arbeit auf mich wartete. Denn 2 Präriehund-Frauen zu erziehen wird wohl nicht so leicht werden. Doch ich wäre nicht Nash, der coolste Präriehund überhaupt, wenn ich das nicht schaffen würde. Bei Kitty hab ich mit der Erziehung ja schon bei Conny und Uwe zu hause angefangen. Nur ich glaube, mit der molligen Crosby werde ich es nicht so leicht haben. Sie scheint ein wenig zickig zu sein. Aber für mich auch kein Problem. Auch die werde ich noch in den Griff bekommen. Immerhin bin ich im Präriehundgehege vom diesem Zoo jetzt der Boss.

Mir wurde klar, warum Conny und Uwe uns hierher gebracht hatten. Sie hatten uns so gut es geht das artgerechte Leben ermöglicht, von dem Conny oft gesprochen hatte. Manchmal frage ich mich, ob die anderen Präriehunde die mit uns aus Texas verschleppt wurden, auch soviel Glück hatten. Nur wenn ich genau darüber nach-denke, glaube ich eher nicht. Es wird nicht viele Menschen geben, die für uns so viel Geld ausgegeben haben – denn in den Zoogeschäften sind wir wahnsinnig teuer – und uns dann selbstlos verschenken um uns glücklich zu machen. Wir hatten unwahrscheinliches Glück. Manchmal gibt es, auch wenn alles noch so aussichtslos erscheint, ein Happy-End. Kitty und ich durften dies erleben.


Conny und Uwe haben uns so lieb gehabt, daß sie uns die Freiheit geschenkt haben. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wieviel Spaß es machen kann im Regen herum zu tollen. Wie schön es ist in der Sonne zu sitzen, leckeres Gras zu fressen und den Wind durchs Fell wehen zu spüren.  Hier gibt es keine Gitter. Der Platz des Geheges ist groß genug für uns um uns frei zu bewegen. Es ist nicht die Prärie aus der wir stammen, aber es ist ähnlich und wir brauchen nie wieder stickige Wohnungsluft atmen.

Wir sind frei !  Jetzt sind wir wieder echte Präriehunde.


Die Tierpfleger hier sind wirklich sehr nett, wie Crosby es gesagt hat. Aber Kitty und ich gehen da lieber auf Nummer Sicher. Wenn die in unser Gehege kommen verstecken wir uns erst mal in einen unserer Tunnel. Man weiß ja nie. Wir sind lieber etwas vorsichtig, bevor wir nachher wieder in so einen kleinen Käfig landen. Crosby meint zwar immer davor brauchen wir keine Angst zu haben. Die Tierpfleger bringen nur unser Futter und halten das Gehege in Ordnung. Es stimmt. Bisher hat noch niemand versucht uns einzufangen. Trotzdem bleiben wir lieber zurückhaltend. Unser freies Leben wollen wir auf keinen Fall wieder verlieren.




Kommt doch einfach mal in den Zoo und überzeugt Euch selbst davon wie gut es uns geht. Hier könnt Ihr uns bei unserem natürlichen Leben beobachten.


Also vielleicht bis bald,

Euer Nash  mit seiner Kitty – zwei der glücklichsten Präriehunde der Welt –



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